Fragen an einen Self-Publishing-Autor – Fil Fux‘ FAQs

Ein wunderbares Jahr 2020 euch allen! Wie ihr vielleicht schon gesehen habt, ist diese Woche die zweite Auflage meines Buches als Taschenbuch herausgekommen, die ich euch ja seit geraumer Zeit versprochen habe. Das Schreiben der zusätzlichen Kapitel hat mehr Zeit als erwartet in Anspruch genommen, dafür ist Fil Fux jetzt garantiert noch hilfreicher als zuvor! Und dicker! Und in Farbe! In diesem Artikel beantworte ich die fünf häufigsten Fragen, die mir 2019 von euch gestellt wurden.

Was mich persönlich sowohl am meisten überrascht als auch am meisten gefreut hat, war, dass mir keine einzige Frage zum Inhalt des Buches gestellt wurde. Puh! Glück gehabt! – Alles andere hätte bedeutet, dass ich etwas unverständlich erklärt hätte. In erster Linie wurde ich zu meinem Leben als Self-Publishing-Autor gefragt, und zwar konkret:

  1. Wie veröffentlicht man ein Buch im Selbstverlag und wie läuft der Schreibprozess bei dir ab?
  2. Warum hast du dein Manuskript keinem „echten“ Verlag angeboten?
  3. Warum heißt Fil Fux nicht „Phil Fuchs“?
  4. Was ist der Unterschied zwischen „Self-Publishing“- und Verlagsbüchern?
  5. Warum schreibst du überhaupt Bücher?

Das werde ich nun schön der Reihe nach beantworten:

Wie veröffentlicht man ein Buch im Selbstverlag und wie läuft der Schreibprozess bei dir ab?

Im Prinzip funktioniert das Herausgeben im Selbstverlag genauso einfach wie man sich das als Frischling vorstellt: Buch schreiben – Cover dazu – drucken lassen – Fertig! Und wie nicht anders zu erwarten ist das in der Praxis … gelinde ausgedrückt „ein bisschen anders“. Bei mir zum Beispiel stand am Anfang eine mehrtägige Internet-Recherche, schließlich wollte ich nach Möglichkeit keine Fehler begehen, die andere Self-Publishing-Autoren schon vor mir gemacht hatten. Dabei stellte ich fest, dass es wirklich Unmengen an Tipps für „Literatur“-Autoren gibt. Und im Prinzip kaum etwas Brauchbares für mich, die ein Lehrbuch schreiben wollte.

Nun würde ich gerne schreiben: „Also habe ich mich einfach mal hingesetzt und mit dem Schreiben angefangen.“ Habe ich ja auch. Und als ich fertig war, stellte ich fest, dass mein Schreib-Programm meine im Text verwendeten Tabellen samt Verweisen durcheinandergewürfelt hatte. Also kehrte ich reumütig zum guten alten LaTex zurück, das ich schon zu Schulzeiten lieben gelernt hatte. Mein Manuskript auf LaTex umzustellen war ein Mammut-Projekt, aber am Ende funktionierte alles reibungslos. Daher mein Tipp an alle, die ein Buch schreiben möchten: Nehmt LaTex mit MikTex (auf Windows-Rechnern) oder TexMaker (auf dem Mac). Das Zeug funktioniert!

Nachdem mein Manuskript in eine formschöne PDF-Datei konvertiert worden war, brauchte ich eine Druckerei. Als bekennender Amazon-Fan war mein erster Gedanke Amazon Create Space, das mittlerweile in KDP umbenannt worden ist. Dort lud ich das PDF hoch. Das Cover, eine JPEG-Datei, hat Johannes M. Mayrhofer-Reinhartshuber für mich gemacht. Übrigens auch für die 2. Auflage. Ab dann war es einfach: Die Buchdetails eingeben und auf „veröffentlichen“ klicken.

Der Schreibprozess sieht bei mir so aus, dass ich täglich zwischen vier und fünf Uhr morgens am Schreibtisch sitze und mit Papier und Tinte arbeite. Unter der Woche setze ich mich, nachdem ich abends von meinem Vollzeit-Job nach Hause gekommen bin, noch an den Computer und tippe dort munter weiter. Wie ihr euch vorstellen könnt, habe ich also wöchentlich nur ein sehr beschränktes Kontingent an Schreib-Zeit zur Verfügung. Das klingt vielleicht ein bisschen deprimierend, aber mal ehrlich: Die Zeit vergeht ja sowieso. Und selbst schreiben ist allemal lustiger als vor dem Fernseher herumhängen. 😉

Warum hast du dein Manuskript keinem „echten“ Verlag angeboten?

Vielen Dank an Z. für diese Frage! Ursprünglich war „Fil Fux‘ Finanzmanagement“ als begleitendes Lehrbuch für meinen Kurs „Mein Geld einfach verwalten“ an der Volkshochschule gedacht. Das war 2018. Nachdem ich den Kurstermin vereinbart hatte, hatte ich etwa ein halbes Jahr Zeit, um mein Buch zu schreiben. Da ich ein Taschenbuch wollte, kein Interesse hatte, den Druck vorzufinanzieren und vor allem keine Zeit, noch lange nach einem Verlag zu suchen, war die logische Schlussfolgerung für mich: Einfach im Selbstverlag auf KDP herausgeben!

Warum heißt Fil Fux nicht „Phil Fuchs“?

In der Schule habe ich gelernt, dass manche Unternehmen Unsummen an Zeit und Geld in die Findung des perfekten Produktnamens investieren. Der Name soll ja nicht nur einfach zu merken sein, sondern im günstigsten Fall auch noch mit irgendetwas Positivem in Verbindung gebracht werden können. In meinem Buch geht es um „Finanzmanagement“, was langweilig klingt. Also brauchte ich eine kleines, freundliches Helferlein, das mir beim Erklären hilft. Und idealerweise mit „F“ wie „Finanzen“ anfängt. Mmh … „Ferdi Fisch“ klang gut, aber ich finde, dass Fische nicht besonders freundlich aussehen. „Fritz Faultier“ wäre auch nett gewesen, aber erstens kann ich keine Faultiere zeichnen und zweitens genießen Faultiere nicht den allerbesten Ruf. Blieb also nur noch … Rudi Räudige!

Ja, ihr habt richtig gelesen: Der Räudige Rudi war mein erster Vorschlag als Maskottchen für mein Buch. Rudi ist übrigens ein Kater, einfach deshalb, weil Katzen zu den wenigen Tieren gehören, die ich halbwegs wiedererkennbar zu Papier bringe. Rudi hatte aber einen riesen Nachteil: Sein Name fing nicht mit „F“ an. Und auch „Kater“ fängt bei eingehender Analyse nicht mit „F“ an. Also brauchte ich ein katzenähnliches Tier mit „F“, das im Ruf steht, nicht gerade zu den Blödesten zu gehören. F wie Fuchs also!

Der Fuchs brauchte einen Vornamen. Am nettesten fand ich „Phil Fuchs“, was zwar richtig klingt, aber falsch aussieht. Als ich in illustrer Runde von meinem Dilemma berichtete, meinte Johannes I.: „Dann schreibst du Phil halt mit F.“ und Johannes II sagte: „Und wenn du FIL FUX nimmst, dann hat beides drei Buchstaben, das sieht auch typographisch besser aus.“ Da auch das österreichische Patentamt nichts dagegen einzuwenden hatte, meldete ich tags darauf „FIL FUX“ als Marke an.

Was ist der Unterschied zwischen „Self-Publishing“- und Verlagsbüchern?

Als ich 14 Jahre alt war, besuchte ich einmal die Lesung eines deutschen Bestseller-Autors und fragte ihn, wie viel er pro Buch verdienen würde. Er erklärte mir, dass er EUR 0,10 an Tantiemen pro Buch erhalten würde, was recht wenig war. Auf meinen verständnislosen Blick ob dieser mickrigen Bezahlung sagte er, dass er jedoch ein Honorar vorab von seinem Verlag erhalten hatte, um sein Leben finanzieren zu können, während er mit Schreiben beschäftigt war. Er erzählte außerdem, dass er eigentlich ein anderes Ende für sein Buch gewollt hatte, sein Lektor ihm aber davon abgeraten hatte.

Dieses Erlebnis zeigt schon, wo der wesentliche Unterschied zwischen dem Buch des Bestseller-Autors und Fil Fux liegt: Für den Autor war sein Buch eine Auftragsarbeit, für die er von seinem Verlag bezahlt wurde. Der Verlag bestimmte daher auch, was der Autor zu schreiben hatte und gab den Zeitplan vor. Bei mir fällt das alles weg, denn als Indie-Autorin kann ich schreiben, was, wann, wo und – vor allem auch! – zu welchem Preis ich will. Ich habe also alle Freiheiten, dafür muss ich mich aber auch selbst darum kümmern, wie ich mein Buch verkaufe. Wer für einen Verlag schreibt, hat weniger Freiheit, dafür aber ein höheres Maß an Sicherheit: Das Honorar wird zu Beginn ausgezahlt und nach der Veröffentlichung vermarktet der Verlag das Buch, der auf diesem Gebiet mehr Erfahrung als der junge Autor hat.

Ein Verlagsbuch unterscheidet sich von einem Self-Publishing-Buch an sich nicht zwingend. Mittlerweile steht auch die Druckqualität von On-Demand-Büchern denen von in hohen Stückzahlen gedruckten in nichts mehr nach. Aus eigener Beobachtung kann ich nur berichten, dass Self-Publishing-Autoren meistens eher linksbündigen Textsatz verwenden. Ich selbst und praktisch alle Verlage verwenden aber Blocksatz. In der Theorie enthalten Verlagsbücher auch weniger Rechtschreib- und Grammatikfehler, was ich aber nicht bestätigen kann. Ich hatte schon neunte Auflagen von Lehrbüchern aus wissenschaftlichen Fachverlagen in den Händen, die nur so vor Fehlern überquollen und umgekehrt Selbstverlagsbücher, die einfach absolut perfekt waren. Heuer zu Weihnachten habe ich zum Beispiel „Senk- und Spreizfuß gehen nach Santiago“ von Volker Tulipan gelesen. Herr Tulipan hat es im Selbstverlag herausgegeben und es ist eines der lustigsten und fehlerfreisten Bücher, die ich je gelesen habe!

Warum schreibst du überhaupt Bücher?

Um Geld zu verdienen! Ich mag ehrliche Antworten. 😉 Und natürlich auch, weil mir schreiben, lesen und generell selbst etwas tun mehr Spaß macht als nur irgendwo herumzusitzen. Die Zeit vergeht ja sowieso, warum sollte ich sie also nicht nutzen? Lucius Annaeus Seneca hat es in „De Brevitate Vitae“ (Von der Kürze des Lebens) 1, 3 besser formuliert:

Non exiguum temporis habemus, sed multum perdidimus. (Es ist nicht wenig Zeit, die wir haben, sondern es ist viel Zeit, die wir nicht nutzen.)

Damit verabschiede ich mich von euch für diese Woche. Ihr lest wieder von mir am Montag, 13. Jänner 2020: Es wird ebenfalls ein „Werkstattgespräch“ sein und um Preisstrategien gehen. Eine gute Woche und eine schöne Zeit bis dahin euch allen!

 

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