Buchrezension: Soziale Verantwortung = Profitmaximierung

In diesem Beitrag geht es zur Abwechslung mal nicht um den „kleinen Haushalt“ in den eigenen vier Wänden, sondern um den volkswirtschaftlichen. Konkret habe ich vor Kurzem das Buch „Soziale Verantwortung = Profitmaximierung“ von Manfred Holztrattner gelesen. Dazu möchte ich euch nun meine Meinung mitteilen. Zunächst einmal:

Worum geht es in „Soziale Verantwortung = Profitmaximierung“?

Der Titel des Buches nimmt Bezug auf diesen Artikel von Milton Friedman: Kurzgefasst geht Friedman darin der Frage nach, worin die soziale Verantwortung eines Unternehmens besteht. Denn im Prinzip, so Friedman, kann ein Unternehmen gar keine soziale Verantwortung haben. Viel eher sind es Einzelpersonen, die diese Verantwortung tragen, wie beispielsweise der Konzernchef, der entscheidet, ob er lieber den Langzeitarbeitslosen oder den deutlich qualifizierteren Facharbeiter einstellen möchte. Will man aber doch auf Biegen und Brechen einem Unternehmen so etwas wie soziale Verantwortung zuschreiben, so ist dies am ehesten wie folgt möglich:

[In einer freien Gesellschaft] gibt es eine und nur eine soziale Verantwortung des Unternehmens - seine Ressourcen und sein gesamtes Handeln darauf auszurichten, seine Gewinn zu steigern, sofern es sich an die Spielregeln hält, d.h. so lange es in einem offenen und freien Wettbewerb ohne Betrug und Täuschung tätig ist. (eigene Übersetzung)

[In a free society] there is one and only one social responsibility of business - to use its resources and engage in activities designed to increase its profits so lang as it stays within the rules of the game, which is to say, engages in open and free competition without deception or fraud.

Diese etwas sperrige Definition kann auf die knackigere Formulierung „Soziale Verantwortung = Profitmaximierung“ verkürzt werden. Die entscheidenden „Spielregeln“ fehlen dann allerdings. – Und das sorgt für eine Reihe von Problemen, die Manfred Holztrattner in seinem Buch anführt: Die Abkehr vom Goldstandard und dadurch die Ermöglichung des „Druckens“ bunter Scheine, die wir für „Geld“ halten; das „Retten“ maroder Unternehmen durch Banken bzw. durch die öffentliche Hand; den verrückten Versuch der Kommunisten, eine Volkswirtschaft planen zu wollen, etc.

Letzten Endes appelliert Holztrattner an seine Leser, den gesunden Menschenverstand zu nutzen und sich bei unternehmerischen Entscheidungen an ethisch-moralischen Prinzipien zu orientieren. – Und eben nicht an einer verkürzten, verdrehten, vielleicht auch missverstandenen These.

Macht ohne Moral

In meinen Augen liegt es Herrn Holztrattner sehr am Herzen, eindrücklich zu schildern, wie gefährlich für alle Beteiligten es wird, wenn Menschen in Machtpositionen ohne Moral bzw. ohne einen „Wertekompass“ agieren. An eigenen Beispielen kommt mir dazu sofort Folgendes in den Sinn: Der Wissenschaftler ohne ethische Prinzipien sieht nicht den Menschen, sondern den „Zellhaufen“ im Mutterleib. An diesem wird geforscht, soweit die technischen Grenzen reichen. Dass es sich um einen Menschen handelt, wird einfach ausgeblendet. Oder der Politiker, der die Wirtschaft in seinem Land wiederholt lahmlegt, um einem „höheren“ Zweck zu dienen. – Vorgeblich der Gesundheit einiger weniger Bürger, tatsächlich aber seinem eigenen Geldbeutel.

Meiner Meinung nach ist es aber schon brandgefährlich, wenn Menschen ohne prestigeträchtige Machtpositionen keine Moralvorstellungen haben. – Denn, um bei meinen eigenen Beispielen zu bleiben: Wer wählt den Politiker? Wer stellt dem Wissenschaftler das „Material“ zur Verfügung? – Es sind die vielen, die, die sich einreden, „ohnmächtig“ zu sein: Sie dulden das Fehlverhalten an der Spitze nicht nur, sie beflügeln es.

Aufgrund meines eigenen Standpunktes fühle ich mich daher auch zur Zielgruppe von Herrn Holztrattner gehörig: Ohne ein fixes ethisches Rahmenwerk ist es nicht möglich, gute Entscheidungen zu treffen. Oder, um noch einmal zu Milton Friedmans verkürzter These zurückzukehren: Aus Falschem folgt Beliebiges (ex falso sequitur quodlibet).

In jedem Fall finde ich, dass dieses Buch seine Leser auf jeden Fall wachrüttelt und zum Weiterdenken anregt! Ich empfehle es insbesondere an alle volkswirtschaftlich interessierten Leser weiter.

Wer ist Manfred Holztrattner?

Prof. DDr. Manfred Holztrattner ist der Verfasser mehrerer Bücher, die sich mit wirtschaftlichen und moralischen Fragestellungen befassen, neben „Soziale Verantwortung = Profitmaximierung (2020)“ sind „Macht ohne Moral (2007)“ und „Eliten oder Nieten (2009, zusammen mit Clemens Sedmak)“ zu nennen. Außerdem war Herr Holztrattner 40 Jahre lang im Bankgeschäft tätig, davon 16 Jahre als Generaldirektor des Raiffeisenverbandes Salzburg.

Wo kann man „Soziale Verantwortung = Profitmaximierung“ kaufen?

Dieses Buch ist in der 1. Auflage 2020 im KIESEL-Verlag, Fremdenverkehrs GmbH, Schwarzstraße 13-15, A-5020 Salzburg erschienen und kann im lokalen Salzburger Buchhandel sowie direkt beim Verlag erworben werden.

Soziale Verantwortung = Profitmaximierung

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